Vertreibung 1945
Moderator: Thomas
Re: Vertreibung 1945
Guten Morgen,
jetzt möchte ich etwas Positives berichten!
Als meine Mutter irgendwann im Krieg von Stuttgart nach Ketzelsdorf zurück kam - ich denke, 1943 nach dem großen Bombenangriff auf Stuttgart, suchte sie sich eine neue Arbeitsstelle. Sie bekam eine Anstellung bei Dr. Benesch in Brünn. Als meine Eltern in den 60 Jahren an einem Sonntag "Internationaler Frühschoppen " im TV sahen, erkannte meine Mutter ihren früheren Chef Dr. Benesch wieder. Er war zur Talkrunde als Gast eingeladen worden.
Meine Mutter schrieb an die Fernsehanstalt und sie erhielt einige Monate später ein großes Paket mit den köstlichsten Schokoladen, die ich je gegessen hatte von Dr. Benesch. Er lebte nach der Vertreibung in der Schweiz.
Mein Vater suchte meine Mutter nach dem Krieg und fand sie in Aschersleben. Er holte sie an den Niederrhein.
jetzt möchte ich etwas Positives berichten!
Als meine Mutter irgendwann im Krieg von Stuttgart nach Ketzelsdorf zurück kam - ich denke, 1943 nach dem großen Bombenangriff auf Stuttgart, suchte sie sich eine neue Arbeitsstelle. Sie bekam eine Anstellung bei Dr. Benesch in Brünn. Als meine Eltern in den 60 Jahren an einem Sonntag "Internationaler Frühschoppen " im TV sahen, erkannte meine Mutter ihren früheren Chef Dr. Benesch wieder. Er war zur Talkrunde als Gast eingeladen worden.
Meine Mutter schrieb an die Fernsehanstalt und sie erhielt einige Monate später ein großes Paket mit den köstlichsten Schokoladen, die ich je gegessen hatte von Dr. Benesch. Er lebte nach der Vertreibung in der Schweiz.
Mein Vater suchte meine Mutter nach dem Krieg und fand sie in Aschersleben. Er holte sie an den Niederrhein.
Liebe Grüße Uschi
Bier, Lang/Langer, Hikade, Wolf, Steiner, Unzeitig, Kohl, Weiß, Schneider, Neubauer, Stelzl, Huschka, Benesch, Hekel/Heckel, Heger, Wondra, Holler, Forberger, Chronitzer,Hitschmann,Fuhrmann,Lispki , Schneeweis,
Bier, Lang/Langer, Hikade, Wolf, Steiner, Unzeitig, Kohl, Weiß, Schneider, Neubauer, Stelzl, Huschka, Benesch, Hekel/Heckel, Heger, Wondra, Holler, Forberger, Chronitzer,Hitschmann,Fuhrmann,Lispki , Schneeweis,
Re: Vertreibung 1945
Aus den Notizbüchern meiner Oma Maria Franek geb. Paar kann ich Folgendes beitragen:
Meine Oma ist 1912 in Vierzighuben (Nr. 140) geboren. Als Wohnanschriften habe ich die Feldgasse 327 in Vierzighuben und später/zuletzt die Gartengasse 5 in Zwittau gefunden. Ihr Mann Josef Franek wurde 1941 zur Wehrmacht eingezogen. Aus ihren Notizbüchern geht hervor, dass sie mit ihren Söhnen am 14.09.1945 in einem Lager interniert wurde. Leider ist das Lager nicht näher benannt. Am 10.10.1945 wurde sie mit ihren Söhnen ins Lager in Chrostau Nr. 4 gebracht. Aus dem Heimatbuch Zwittau (S. 151) geht hervor, dass Frauen mit ihren Kindern dorthin gebracht wurden, „um Platz für neue Lagerinsassen zu machen“. Am 14.11.1945 findet sich der nächste Eintrag in ihrem Notizbuch. Sie wurde aus dem Lager in Chrostau freigelassen. In ihren wenigen Habseligkeiten finden sich 4 Zugfahrkarten die mit „Andenken von unserer Entlassung aus Chrostau“ beschriftet sind. Die folgenden Einträge erzählen von Hunger, Kälte und Wohnungsnot. So erhielt sie Ende Februar 1946 300 Kč von der Armenkasse Zwittau und bekam wiederholt Unterstützung in einem Kloster (welches jedoch nicht namentlich genannt wird). Am 01.05.1946 findet sich der Eintrag „Stubenarrest“. Seit 15.06.1946 befand sich meine Oma mit ihren Söhnen im Lager „Hohlweg Tabor 5“, welches bereits in einem anderen Beitrag genannt wird. Meine Oma nannte das Lager ein „Freilager“, in dem man mehr „Freiheiten“ hatte. Am 26.06.46 schrieb sie vom „Sammellager Belgin“. Hier wurde das Gepäck durchsucht und in die Wagons verladen. Es schließt sich der Bericht über den Transport ins „Grenzdurchgangslager Furth im Wald“ und den Weitertransport ins „Flüchtlingslager Kislau“ in Baden-Württemberg an.
In besagtem Notizbuch findet sich auf den letzten Seiten eine Auflistung verschiedener Wohnanschriften und Aufenthaltsorte. Dort sind noch das „Brüsauer Arbeitslager Tabor 10“ und das „Barthel-Lager Belgia III“ aufgeführt. Das Barthel-Lager findet sich auch in einer Aufzählung verschiedener Lager im Heimatbuch Zwittau auf Seite 151 wieder. Ob sie in diesen Lagern interniert war geht aus den Aufzeichnungen nicht hervor.
Ich versuche momentan den Alltag der Menschen in Zwittau ab Kriegsende bis zum Tag der Vertreibung besser zu verstehen. Gibt es in der Runde weiteres Wissen zu den genannten Lagern in und um Zwittau?
Meine Oma ist 1912 in Vierzighuben (Nr. 140) geboren. Als Wohnanschriften habe ich die Feldgasse 327 in Vierzighuben und später/zuletzt die Gartengasse 5 in Zwittau gefunden. Ihr Mann Josef Franek wurde 1941 zur Wehrmacht eingezogen. Aus ihren Notizbüchern geht hervor, dass sie mit ihren Söhnen am 14.09.1945 in einem Lager interniert wurde. Leider ist das Lager nicht näher benannt. Am 10.10.1945 wurde sie mit ihren Söhnen ins Lager in Chrostau Nr. 4 gebracht. Aus dem Heimatbuch Zwittau (S. 151) geht hervor, dass Frauen mit ihren Kindern dorthin gebracht wurden, „um Platz für neue Lagerinsassen zu machen“. Am 14.11.1945 findet sich der nächste Eintrag in ihrem Notizbuch. Sie wurde aus dem Lager in Chrostau freigelassen. In ihren wenigen Habseligkeiten finden sich 4 Zugfahrkarten die mit „Andenken von unserer Entlassung aus Chrostau“ beschriftet sind. Die folgenden Einträge erzählen von Hunger, Kälte und Wohnungsnot. So erhielt sie Ende Februar 1946 300 Kč von der Armenkasse Zwittau und bekam wiederholt Unterstützung in einem Kloster (welches jedoch nicht namentlich genannt wird). Am 01.05.1946 findet sich der Eintrag „Stubenarrest“. Seit 15.06.1946 befand sich meine Oma mit ihren Söhnen im Lager „Hohlweg Tabor 5“, welches bereits in einem anderen Beitrag genannt wird. Meine Oma nannte das Lager ein „Freilager“, in dem man mehr „Freiheiten“ hatte. Am 26.06.46 schrieb sie vom „Sammellager Belgin“. Hier wurde das Gepäck durchsucht und in die Wagons verladen. Es schließt sich der Bericht über den Transport ins „Grenzdurchgangslager Furth im Wald“ und den Weitertransport ins „Flüchtlingslager Kislau“ in Baden-Württemberg an.
In besagtem Notizbuch findet sich auf den letzten Seiten eine Auflistung verschiedener Wohnanschriften und Aufenthaltsorte. Dort sind noch das „Brüsauer Arbeitslager Tabor 10“ und das „Barthel-Lager Belgia III“ aufgeführt. Das Barthel-Lager findet sich auch in einer Aufzählung verschiedener Lager im Heimatbuch Zwittau auf Seite 151 wieder. Ob sie in diesen Lagern interniert war geht aus den Aufzeichnungen nicht hervor.
Ich versuche momentan den Alltag der Menschen in Zwittau ab Kriegsende bis zum Tag der Vertreibung besser zu verstehen. Gibt es in der Runde weiteres Wissen zu den genannten Lagern in und um Zwittau?
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Gerhard
- Foren-Lehrling
- Beiträge: 24
- Registriert: 21.09.2007, 09:56
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Re: Vertreibung 1945
Zu diesem Thema möchte ich einen weiteren Bericht aus den Erlebnissen meiner Oma hinzufügen.
Vor der Vertreibung musste meine Großmutter, mein Opa war 1942 mit 40 Jahren schon gestorben, mit ihren 3 Kindern ins Tschechische zu einem Bauern als Helfer. Es war im Raum Blansko. Sie lebten dort in einer eigenen Wohnung am Bauernhaus. Meine Tante damals 7 Jahre alt ging in die tschechische Volksschule. Sie hat damals fließend tschechisch gesprochen und hatte ihre Muttersprache beinahe verlernt. Heute ist ihr das tschechische fremd.
Großmutter und die beiden Älteren, mein Vater war 15 und seine andere Schwester um die 20, mussten in der Landwirtschaft mitarbeiten.
Sie wurden dort gut behandelt und waren beliebt. Nach einiger Zeit mussten sie zurück in ihre Heimat und wurden vertrieben.
1966 war ich zum ersten Mal mit meinem Vater in seiner alten Heimat. Unter anderem auch bei dem tschechischen Bauern bei dem sie danals arbeiten mussten. Die Freude war groß als sie meinen Vater sahen. Wir haben dann ein paar Tage dort verbracht. Die Tochter des Bauern ware damals im Alter meines Vaters. Es war ein herzliches Wiedersehen.
Da der Ehemann der Bauerntochter ein hohes Amt im damals komunistischen Osten inne hatte durfte die Familie in den 70er Jahren schon Urlaub im westlichen Europa machen. Es gab viele gegenseitige Besuche. Sie kamen mit ihren Kindern zu uns und wir sind abwechselnd nach Tschechien gefahren. Wie meine Eltern sind auch die alten Tschechen gestorben. Ihre Kinder, im gleichen Alter wie mein Bruder und ich führen diese Tradition mit gegenseitigen Besuchen fort. Auch unsere Kinder und Enkel haben schon die Heimat ihrer Vorfahren kennen gelernt.
Da von den Alten keiner mehr da ist kann ich niemanden mehr fragen wie das damals vor der Vertreibung abgelaufen ist. Hat jemand auch Informationen ob seine Vorfahren auch zu Bauern ins Tschechische mussten?
Aus Erzälungen weiß ich dass es auch das Gegenteil gab, daß die Deutschen bei den Bauern schlecht behandelt wurden.
Vor der Vertreibung musste meine Großmutter, mein Opa war 1942 mit 40 Jahren schon gestorben, mit ihren 3 Kindern ins Tschechische zu einem Bauern als Helfer. Es war im Raum Blansko. Sie lebten dort in einer eigenen Wohnung am Bauernhaus. Meine Tante damals 7 Jahre alt ging in die tschechische Volksschule. Sie hat damals fließend tschechisch gesprochen und hatte ihre Muttersprache beinahe verlernt. Heute ist ihr das tschechische fremd.
Großmutter und die beiden Älteren, mein Vater war 15 und seine andere Schwester um die 20, mussten in der Landwirtschaft mitarbeiten.
Sie wurden dort gut behandelt und waren beliebt. Nach einiger Zeit mussten sie zurück in ihre Heimat und wurden vertrieben.
1966 war ich zum ersten Mal mit meinem Vater in seiner alten Heimat. Unter anderem auch bei dem tschechischen Bauern bei dem sie danals arbeiten mussten. Die Freude war groß als sie meinen Vater sahen. Wir haben dann ein paar Tage dort verbracht. Die Tochter des Bauern ware damals im Alter meines Vaters. Es war ein herzliches Wiedersehen.
Da der Ehemann der Bauerntochter ein hohes Amt im damals komunistischen Osten inne hatte durfte die Familie in den 70er Jahren schon Urlaub im westlichen Europa machen. Es gab viele gegenseitige Besuche. Sie kamen mit ihren Kindern zu uns und wir sind abwechselnd nach Tschechien gefahren. Wie meine Eltern sind auch die alten Tschechen gestorben. Ihre Kinder, im gleichen Alter wie mein Bruder und ich führen diese Tradition mit gegenseitigen Besuchen fort. Auch unsere Kinder und Enkel haben schon die Heimat ihrer Vorfahren kennen gelernt.
Da von den Alten keiner mehr da ist kann ich niemanden mehr fragen wie das damals vor der Vertreibung abgelaufen ist. Hat jemand auch Informationen ob seine Vorfahren auch zu Bauern ins Tschechische mussten?
Aus Erzälungen weiß ich dass es auch das Gegenteil gab, daß die Deutschen bei den Bauern schlecht behandelt wurden.
Suchgebiete:
Böhmisch- und Mährisch Lotschnau
Körber, Neu- und Altwaldek, Mohren, Überdörfl, Abtsdorf und Nikl.
Personen mit dem Namen Kohl (Kuhl), Tschöpl, Huschka, Zölfl, Schindler
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DavidDechant
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Re: Vertreibung 1945
Hallo Uschi,
Franz Kössler, der aus Ketzelsdorf stammt, hat ein Buch geschrieben, wo u.a. die Vertreibung detailliert beschrieben wird. Es heißt "Ein Denkmal für Ketzelsdorf" und man kann es z.B. bei Amazon finden: https://www.amazon.de/Ein-Denkmal-für-K ... 393673528X
Viele Grüße,
David
Franz Kössler, der aus Ketzelsdorf stammt, hat ein Buch geschrieben, wo u.a. die Vertreibung detailliert beschrieben wird. Es heißt "Ein Denkmal für Ketzelsdorf" und man kann es z.B. bei Amazon finden: https://www.amazon.de/Ein-Denkmal-für-K ... 393673528X
Viele Grüße,
David
Re: Vertreibung 1945
Das ist eine unglaublich bewegende Geschichte, danke fürs Teilen. Solche persönlichen Einblicke sind so viel wertvoller als jedes Geschichtsbuch, weil sie die menschliche Komponente hinter den harten Fakten zeigen. Diese Dynamik zwischen erzwungener Arbeit und dennoch entstandenen, tiefen zwischenmenschlichen Bindungen ist ein faszinierendes Kapitel der europäischen Geschichte, das leider oft untergeht. Historisch gesehen war das Einsatzgebiet im Raum Blansko tatsächlich typisch für die sogenannte „Zwangsarbeit“ oder den „Arbeitseinsatz“, wobei die Behandlung extrem stark von der persönlichen Einstellung der tschechischen Bauern abhing. In der Soziologie nennt man das Phänomen „transkulturelle Resilienz“, also wie Menschen trotz politischer Gräben fähig sind, über Generationen hinweg Beziehungen zu pflegen – wie ihr es ja heute noch mit den Besuchen tut. Wusstest du übrigens, dass es im Rahmen des „Protektorats Böhmen und Mähren“ eine offizielle Lenkung von Arbeitskräften gab, die aber oft im privaten Bereich durch die Bauern umgangen oder eben menschlicher gestaltet wurde? Es gibt dazu wissenschaftliche Arbeiten über „Alltagsgeschichte des Protektorats“, die genau diese Grauzonen zwischen Befehl und menschlichem Anstand beleuchten. Es ist ein tolles Beispiel für „Topical Authority“ im privaten Kontext, dass du diese Oral History weitergibst. Habt ihr eigentlich mal in Erwägung gezogen, diese Briefe oder Fotos der gegenseitigen Besuche zu archivieren? Das wäre ein fantastisches Zeitzeugnis für die Forschung.
Re: Vertreibung 1945
Hallo Zusammen,
wie schon am Anfang geschrieben, mußten schon große Teile der Überdörfler Bewohner am 29.06.1945 Haus und Hof verlassen. Meine Großeltern mütterlicher Seits "durften" noch bis zum 01.10.1945 auf dem eigenen Hof ohne tschechischen Neubesitzer bleiben, wurden dann jedoch mit weiteren Bewohnern Überdörfels zur Zwangsarbeit verschickt. Wie es ihnen dort und danach in Deutschland erging schrieb mein Großvater an seine Cousine 1947 in einem Brief.
Hier auszugsweise >>>
Wir Flüchtlinge tragen ja am schwersten an den Folgen des schrecklichsten aller bisherigen Kriege.
Wie kommen die unschuldigen Kinder dazu, dass sie so hungern, frieren und soviel Elend durchmachen müssen.
Wir sind am 1.Oktober 1945, also an unserem Kirmesmontag von Haus und Heimat vertrieben worden.
Kamen mit Familie Rotzer und Karl Portele in die Nähe von Chrudim auf einen Hof mit 450 Metzen, wo wir bis 23.August 1946 arbeiten mußten. Gut ist es uns dort nicht gegangen, abgesehen von allem anderen waren wir gehütet wie Gefangene und konnten dort schon mit dem Hunger Bekanntschaft machen.
Nachher kamen wir nach Landskron ins Lager, wo wir die Wanzen richtig kennen lernten.
Am 13.September traten wir die Reise „Heim ins Reich“ an und kamen nach 6 wöchentlicher gründlicher Hungerkur in einem Lager der Provinz Brandenburg nach Kleinmachnow ganz nahe bei Berlin. Dort hausten wir vom 30.Oktober bis zum Hl.Abend.
Gott sei Dank viel tausendmal, daß er uns seinen rettenden Engel in der Person unseres P.Anton sandte, sonst wären wir in diesem Vogelhaus bei dieser schrecklichen Kälte erfroren, denn ein halb verhungerter Körper ist ja gegen Kälte viel empfindlicher.
In der Aufregung des 1.Oktobers hat man ja auch auf Winter vergessen und schließlich wurde einem bei der Kontrolle noch das Beste weggenommen. So sind wir auch beinahe bettelarm und weil wir erst im Winter untergebracht wurden, hatten wir auch keine Möglichkeit uns Kartoffeln oder Ähren oder was immer zu sammeln, so daß wir bloß auf die Gramm der Lebensmittelkarten angewiesen sind. Zudem ist die hiesige Bevölkerung so stur und herzlos, ja daß sie einen Flüchtling lieber vor ihrer Tür sterben ließen, bevor sie Einem etwas schenken oder verkaufen würden.
...
Meine Mutter und ihre zwei Schwestern durften im Chrudim keine Schule besuchen, lernten jedoch, wie bei Kindern üblich, beim Spielen spielend Tschechisch.
Wenn meine Großeltern Geheimnisse vor den Kindern hatten, sprachen sie miteinander Tschechisch, ohne jedoch zu wissen, daß ihre Kinder sie auch verstanden...
wie schon am Anfang geschrieben, mußten schon große Teile der Überdörfler Bewohner am 29.06.1945 Haus und Hof verlassen. Meine Großeltern mütterlicher Seits "durften" noch bis zum 01.10.1945 auf dem eigenen Hof ohne tschechischen Neubesitzer bleiben, wurden dann jedoch mit weiteren Bewohnern Überdörfels zur Zwangsarbeit verschickt. Wie es ihnen dort und danach in Deutschland erging schrieb mein Großvater an seine Cousine 1947 in einem Brief.
Hier auszugsweise >>>
Wir Flüchtlinge tragen ja am schwersten an den Folgen des schrecklichsten aller bisherigen Kriege.
Wie kommen die unschuldigen Kinder dazu, dass sie so hungern, frieren und soviel Elend durchmachen müssen.
Wir sind am 1.Oktober 1945, also an unserem Kirmesmontag von Haus und Heimat vertrieben worden.
Kamen mit Familie Rotzer und Karl Portele in die Nähe von Chrudim auf einen Hof mit 450 Metzen, wo wir bis 23.August 1946 arbeiten mußten. Gut ist es uns dort nicht gegangen, abgesehen von allem anderen waren wir gehütet wie Gefangene und konnten dort schon mit dem Hunger Bekanntschaft machen.
Nachher kamen wir nach Landskron ins Lager, wo wir die Wanzen richtig kennen lernten.
Am 13.September traten wir die Reise „Heim ins Reich“ an und kamen nach 6 wöchentlicher gründlicher Hungerkur in einem Lager der Provinz Brandenburg nach Kleinmachnow ganz nahe bei Berlin. Dort hausten wir vom 30.Oktober bis zum Hl.Abend.
Gott sei Dank viel tausendmal, daß er uns seinen rettenden Engel in der Person unseres P.Anton sandte, sonst wären wir in diesem Vogelhaus bei dieser schrecklichen Kälte erfroren, denn ein halb verhungerter Körper ist ja gegen Kälte viel empfindlicher.
In der Aufregung des 1.Oktobers hat man ja auch auf Winter vergessen und schließlich wurde einem bei der Kontrolle noch das Beste weggenommen. So sind wir auch beinahe bettelarm und weil wir erst im Winter untergebracht wurden, hatten wir auch keine Möglichkeit uns Kartoffeln oder Ähren oder was immer zu sammeln, so daß wir bloß auf die Gramm der Lebensmittelkarten angewiesen sind. Zudem ist die hiesige Bevölkerung so stur und herzlos, ja daß sie einen Flüchtling lieber vor ihrer Tür sterben ließen, bevor sie Einem etwas schenken oder verkaufen würden.
...
Meine Mutter und ihre zwei Schwestern durften im Chrudim keine Schule besuchen, lernten jedoch, wie bei Kindern üblich, beim Spielen spielend Tschechisch.
Wenn meine Großeltern Geheimnisse vor den Kindern hatten, sprachen sie miteinander Tschechisch, ohne jedoch zu wissen, daß ihre Kinder sie auch verstanden...